Ein Hemd des 20. Jahrhunderts

Comment: Etwas kopflastig, aber eine Delikatesse für alle, die sich gerne mit Romanen beschäftigen, die definitiv mehr sind als eine Geschichte.

Plot: Ein Autor hat einen Roman geschrieben, der ihn weltweit bekannt gemacht hat: Eine wunderbare, abenteuerliche Parabel, in der wilde Tiere eine große Rolle spielen und welche Menschen rund um den Globus zu tiefst berührt. Er will an seinen schriftstellerischen Erfolg anknüpfen, entwickelt ein schräges Buch, in welchem er sich mit dem Holocaust als literarisches und essayistisches Moment auseinandersetzt und wird von seinen Verlegern unerwartet und brüsk abgekanzelt. Daraufhin verliert er das Vertrauen in sein Können und beschließt das Schreiben fürs Erste sein zu lassen. Er zieht mit seiner schwangeren Frau in eine europäische Großstadt, setzt sich zur Ruhe und widmet sich seiner ambitionierten Hobbytätigkeit, schafft sich Hund und Katze an, jobbt in einem alternativen Café und beantwortet mit leidenschaftlicher Akribie Leserbriefe, die ihn immer noch bezüglich seines Erfolgsbuches aus aller Welt erreichen.

Eines Tages erhält er einen sonderbaren Leserbrief, dem eine Novelle von Flaubert und eine Szene aus einem unbekannten Theaterstück beiliegen. Der Absender ist aus der selben Stadt, in welcher der Autor wohnt, hat den selben Vornamen und bittet ihn kryptisch und wortkarg um Hilfe. Neugierig geworden macht sich der Schriftsteller auf, um den Briefschreiber zu besuchen und landet in einem Geschäft für ausgestopfte Tiere. Sein Gegenüber ist ein der Nachbarschaft verhasster, alter Kauz, der selbst Taxidermist, ein Tierpräparator, ist und dieser Tätigkeit auch immer noch nachgeht. Und: Er schreibt seit über 10 Jahren an einem Theaterstück. Hauptfiguren sind zwei Tiere, ein Esel und ein Brüllaffe – deshalb der Hilferuf an den Schriftsteller, der schließlich mit einer Tierparabel berühmt geworden ist. Es entsteht eine unheimliche Bekanntschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Männern – man trifft sich häufig und arbeitet an dem Stück. Der Schriftsteller versucht zu ergründen, mit wem er es denn eigentlich zu tun hat und was das rätselhafte Stück für eine tiefere Bedeutung birgt. Viele Momente darin erinnern ihn motivisch an den Holocaust… Eines Tages geht ihm auf, was das Drama eigentlich zu bedeuten hat und was der Taxidermist damit ausdrücken will – und die Situation eskaliert unerwartet…