Lise Eliot, Wie verschieden sind sie? Über die Gehirnentwicklung von Mädchen und Jungen.
Dieses Buch sollten all jene lesen, die mit Kindern arbeiten und leben und das Buch möglichst allen in die Hände drücken, die im Bereich der Bildung etwas zu sagen haben! Denn Lise Eliot öffnet im wahrsten Sinne des Wortes Augen und damit auch viele Türen für Mädchen und Jungen. Ich weiß: 600 Seiten erscheinen sehr lang, aber sie werden kaum ein Buch finden, in dem Sie so viel über die kindliche Entwicklung erfahren und zugleich komplexe wissenschaftliche Materie so verständlich und fundiert aufbereitet wird. Noch dazu ist das Buch sehr unterhaltsam und enthält zahlreiche Anregungen für den Alltag mit Kindern.

Lise Eliot zählt zu den renommiertesten Neurobiologen weltweit, arbeitet derzeit an der Chicago Medical School und ist selbst Mutter von drei Kindern. In den letzten Jahren machten eine Reihe von wissenschaftlich sehr zweifelhaften Publikationen die Runde, die eine geschlechtliche Identität auf genetische (besonders im Trend: hormonelle) Dispositionen zurückführen. Eliot hat sich daraufhin die Frage gestellt, inwieweit die geschlechtliche Identität durch die Entwicklung und die Struktur des Gehirns bedingt ist. Was ist angeboren und was ist hausgemacht? Dazu hat sie sich durch eine Unzahl von Forschungsergebnissen der letzten 30 Jahre gearbeitet und ist einer ganzen Reihe von fragwürdigen Untersuchungen auf die Spur gekommen, die sie aufgrund ihrer Methoden und unseriösen Interpretationen kritisch hinterfragt. Neben zahlreichen Studien aus dem Bereich der Neurobiologie bezieht sie in ihre Ausführungen Forschungsergebnisse mit ein, die auf die Einflüsse von äußeren Faktoren wie soziales Umfeld/Umwelt auf die Gehirnentwicklung einwirken.

Gleiche Chancen für Jungen und Mädchen gelingen in einer Gesellschaft nur dann, wenn wir alle unsere Positionen immer wieder hinterfragen und Vorurteile nicht zulassen. Lise Eliot zeigt hier eindrücklich, wo die Biologie ihre Grenzen hat und unsere gesellschaftliche Wirkilichkeit einen viel größeren Einfluss auf die Entwicklung von kleinen Menschen hat als uns lieb sein kann. Eliot liefert so Anregungen in Hülle und Fülle, um künftige Diskussionen über die Schwierigkeiten von Jungen in der Schule in Zukunft überflüssig zu machen. Würden ihre zahlreichen Tipps und Ideen im Alltag der Pädagogen ankommen, sähe es in unseren Schulen sicherlich anders aus. Bitte lesen!